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Akademiker heiratet Akademikerin
"Akademikerinnen wünschten sich in der Regel für ihre
Kinder einen Vater mit Abitur beziehungsweise mit abgeschlossenem
Studium. Doch männliche Akademiker heirateten nicht selten unter ihrem
Bildungsstand, etwa der Chef seine Sekretärin oder der Arzt die
Krankenschwester. Eine umgekehrte Entscheidung, also wenn beispielsweise
die Chefin ihren Chauffeur als Ehemann auswähle, werde dagegen von der
Gesellschaft kaum akzeptiert, sagen die Wissenschaftler.
Weiter verwiesen die Wissenschaftler auf die
"wechselseitige Attraktivität der Partner". Während auf dem Heiratsmarkt
bei den Männern Einkommen und berufliche Position als Statussymbole
zählten, müsse die Frau mit Jugend und Schönheit punkten."
Auf dem Hintergrund dieser Denkensweise kommt es immer
weniger zum Ausgleich von im individuellen Lebenslauf der Männer und
Frauen erworbenen Vorteilen und Benachteiligungen. Man verkörpert dann
fast gleiche Bildungsbiografien und Berufschancen. Der Akademiker
heiratet die Akademikerin und der Ungelernte die Hilfsarbeiterin. Die
sozialen Kreise schließen sich auf diese Weise sehr stark, und die
soziale Distanz steigt. Die Arztfamilie verliert ihre Verbindung zu
anderen sozialen Schichten, auch wenn sie vor einer Generation
vielleicht selbst einer niedrigeren sozialen Schicht angehörte. Durch
diese zunehmende Schließung wächst die jeweils nächste Generation der
Kinder wieder mit größeren sozialen und ökonomischen Unterschieden
zwischen den Familien auf.
Halten homogame Partnerschaften besonders lang?
Sie liegen eher so im Mittelfeld. Am längsten halten die traditionellen
Partnerschaften, bei denen Mann und Frau noch die klassischen Rollen
haben und nicht das gleiche Bildungsniveau.
Es wurden in 13 Ländern die Lebensverlaufsdaten von mehreren tausend
Männern und Frauen analysiert und sie hinsichtlich ihrer Partnerwahl
untersucht und dabei auch herausgefunden, wie Schulbesuch und Bildung
die soziale Zugehörigkeit verändern.
Wissenschaftler haben in den meisten Ländern, auch in Deutschland, eine
Tendenz zur Bildungshomogamie festgestellt. Was heißt das?
Das Bildungssystem strukturiert soziale Netzwerke und bündelt bestimmte
Interessen und Neigungen. Die Wahrscheinlichkeit, jemanden zu treffen,
der ähnliche Ziele und Vorstellungen vom Leben hat, wird also mit
zunehmender Bildung größer. Je höher die Bildungsstufe ist, desto
homogener werden die Kontaktkreise. Partner sollen nicht nur attraktiv,
sondern auch konkurrenzfähig in Bezug auf sozialen Status und Bildung
sein.
Die Partnersuche wird danach hauptsächlich vom Faktor Bildung
bestimmt?
Frauen mit hoher Bildung suchen Partner mit gleichwertigen oder höheren
Bildungsabschlüssen. Es kommt ganz selten vor, dass gebildete Frauen
»nach unten« heiraten. Für sie sind der soziale Druck und die
Erklärungspflicht viel höher als für gebildete Männer, für die es nach
wie vor normal und sozial akzeptiert ist, auch eine Frau mit niedrigerer
Bildung zu heiraten. Für einen Arzt ist es völlig selbstverständlich,
wenn er eine Krankenschwester heiratet, für eine Ärztin dagegen kommt
selten ein Pfleger infrage.
Warum eigentlich? Befürchtet die Ärztin den sozialen Abstieg?
Für die Frau ist die Paarbildung dann schwieriger, da für die
Männerrolle in der Beziehung höhere Bildung und sozialer Status noch
immer sehr wichtig sind. Frauen, die bildungsmäßig aufgestiegen sind,
wollen diesen höheren sozialen Status durch ihren Partner auch
absichern. Solche Bildungsaufsteiger sind für uns die eigentlichen
Gewinner der Bildungsexpansion.
Wie viele schaffen diesen Aufstieg?
Etwa 20 Prozent der Männer und Frauen erreichen ein höheres
Bildungsniveau als ihre Herkunftsfamilie und können diesen
Bildungsaufstieg dann durch eine homogame Heirat absichern.
Grundsätzlich gilt also: Gleich und gleich gesellt sich gern?
Partnerschaften bringen einfach den größten Nutzen, wenn man im Alltag
in den wesentlichen Dingen übereinstimmt und ganz ähnliche Werte und
Bedürfnisse hat. Es ist besser, einen hohen Grad an Verständigung zu
haben, als alles auseinander buchstabieren zu müssen.
Wir meinen, dass die zunehmende Bildungshomogamie zu größerer
sozialer Ungleichheit führt. Warum?
Auf diese Weise kommt es immer weniger zum Ausgleich von im
individuellen Lebenslauf der Männer und Frauen erworbenen Vorteilen und
Benachteiligungen. Man verkörpert dann fast gleiche Bildungsbiografien
und Berufschancen. Der Akademiker heiratet die Akademikerin und der
Ungelernte die Hilfsarbeiterin. Die sozialen Kreise schließen sich auf
diese Weise sehr stark, und die soziale Distanz steigt. Die Arztfamilie
verliert ihre Verbindung zu anderen sozialen Schichten, auch wenn sie
vor einer Generation vielleicht selbst einer niedrigeren sozialen
Schicht angehörte. Durch diese zunehmende Schließung wächst die jeweils
nächste Generation der Kinder wieder mit größeren sozialen und
ökonomischen Unterschieden zwischen den Familien auf.
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